P48

Der Genius des Ortes, der den Hutfabrikanten Max Förster bewog, seine Sommerfrische hier zu suchen, zugleich am Stadtrand und im Grünen, kulturvoll und innovativ, wird in dem Gartenhaus aus dem Jahr 1911 für die heutige Zeit neu entdeckt. Max Förster war für den Holzbau in Thüringen vor mehr als 100 Jahren ein echter Pionier. In diesem Geist soll seinem ehemaligem Sommerhaus eine neue Perspektive eröffnet werden. Mit dem Initiativkreis um Grit Martinez und dem Entwurf der Fachhochschule Erfurt nimmt diese Perspektive jahrzehntelangem Leerstand erstmals Gestalt an. Die Student:innen entwickelten die Idee einer Superlaube als Ort der Begegnung, Kultur und Interaktion und skizzieren ihre Vision wie folgt: Da die künftige Kulturebene (Erdgeschoss) durch die leichte Holzkonstruktion, die prunkvollen Fenster und den L-förmigen Bestandsgrundriss geprägt ist, ist eine Intervention nahe dem Bestand wichtig, um die Bestandsstruktur zu wahren. Im Zuge der Intervention sollen wenige Wände entfernt werden, um den doch kleinen Raum freizuspielen und optimal nutzbar zu machen. Der Dachraum kann als Lager für Materialen dienen, was den Werkstattcharakter unterstreicht. Die Kulturebene zeichnet sich durch einen flexiblen und multifunktionalen Grundriss aus. Zwei bewegliche Module ermöglichen durch vielfältige Funktionen, wie Klappen von Wänden, verschiedene Raumkonstellationen. Folgende Szenarien sind denkbar: Ausstellungs- und Workshopraum, ein Ort für Lesungen u.w. In der Kulinarikebene (Kellergeschoss) befindet sich ein Manufakturbereich, der das Verarbeiten von Gemüse und Obst der nahegelegenen Streuobstwiese bzw. der umliegenden Kleingärten sowie das gemeinsame Zubereiten und Verspeisen ermöglicht.

09.02.2024|

P47

Deutschlands schönstes Gradierwerk findet man in Bad Salzungen, unmittelbar an der Werra gelegen. Das erste Salzunger Gradierwerk wurde 1590 erbaut, insgesamt gab es 24 diesseits und jenseits der Werra. Als um 1800 die Heilwirkung der Sole entdeckt wurde, begann der Kurbetrieb. Alle Gradierwerke bis auf die heutige Ostwand der Gradieranlagen wurden abgerissen. 1901 errichtete man gegenüber der Ostwand eine völlig neue Gradierhalle ausschließlich für Inhalationszwecke. Der architektonisch einmalige Mittelbau zwischen den beiden je 80 Meter langen Gradierwänden, von denen die östliche über 200, die westliche über 100 Jahre alt ist, wurde kurz nach 1900 im hennebergisch-fränkischen Fachwerkstil erbaut. Das ganze Ensemble wurde 1906 mit Trinkhalle und Musikpavillon ergänzt. In der Freiluftinhalation an den Gradierwänden rieselt die Sole noch heute über Schwarzdornwände. Dabei wird sie zerstäubt und entfaltet ihre heilende Wirkung vor allem bei Atembeschwerden. Die Kurgäste Bad Salzungens wandeln in weißen Umhängen daran entlang. Im ehemaligem Inhalatorium des Gradierwerks befindet sich heute das Museum. Zum Ensemble gehören auch der Sole-Bohrturm und die Solewelt. Das Bad Salzunger Gradierwerk soll für die nächsten 100 oder sogar 200 Jahre „fit gemacht“, die Optik gewahrt und die Funktionalität an heutige Bedürfnisse angepasst werden. Auch kommende Generationen sollen die Möglichkeit haben, hier Bad Salzunger Natur-Sole inhalieren zu können. An beiden Gradierwänden entstanden jeweils 80 Meter messende Beton-Solewannen mit deren flankierenden Einzel-Fundamenten.

09.02.2024|

P46

Als Ersatzneubau für das historische, unter Denkmalschutz stehende Toilettenhaus in unmittelbarer Nähe zum frisch sanierten Bahnhof, kommt dem Neubau des Gemeindehauses eine besondere Bedeutung zu. Anders als das bestehende Toilettenhaus, das allein aufgrund seiner Funktion eine untergeordnete Rolle gespielt hat, soll der Neubau als öffentliches Haus am Platz sowie auch von der Bahnlinie aus wahrgenommen werden. Das hölzerne Fachwerk des historischen Toilettenhauses wird für das Gemeindehaus in eine neue Struktur übersetzt. Ziel ist es, ein starkes und eigenständiges Gebäude zu entwickeln: ein gleichermaßen einfaches und vertrautes Haus, das sich selbstverständlich im Gefüge des Bahnhofsensembles verortet. Der freistehende Neubau wird in östlicher Verlängerung des Bahnhofsensembles positioniert. In einer geradlinigen, rechteckigen Grundform mit Steildach verarbeitet der Baukörper typische, ortsprägende Gebäudetypologien. Über einen transparenten, barrierefreien Hauptzugang mit anschließendem Windfang und Toilettenbereich wird das Haus vom Platz aus erschlossen. Dem Windfang nachgeschaltet ist der eigentliche Gemeindesaal angegliedert. Dieser gewinnt seine unerwartete Großzügigkeit und besondere Raumatmosphäre im Zusammenspiel eines hohen Dachraums und fassadenbegleitenden, gegenüberliegenden Fensterbändern.Das neue Gemeindehaus wird als klassischer Holzbau errichtet. So einfach und klar wie die Erscheinung des Baukörpers soll auch die Konstruktions- und Materialkonzeption sein.

09.02.2024|

P45

Am Rande des Gewerbegebiets „Kromsdorfer Straße“ entstand auf Initiative von fünf Weimarer Firmen der Betriebskindergarten „Gipfelstürmer“. Er wird nach dem Konzept der offenen Arbeit betrieben. Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder werden individuell gefördert. Die Kinder können sich frei im Haus bewegen und Angebote wählen, die sie interessieren. Ziel des Gebäudeentwurfs war daher eine einfache, klare Struktur, in der sich die Kinder gut orientieren können. Die Gruppenräume sind neutral gestaltet und für wechselnde Angebote nutzbar. Zentraler Treffpunkt des Hauses ist das Kinderrestaurant mit der Ausgabe- und Mitmachküche. Die klare Gebäudestruktur, der Wunsch der Gründerfirmen nach einer nachhaltigen Bauweise und der straffe Terminplan beeinflussten die Entscheidung, das Gebäude als Holzrahmenbau zu errichten. Die Holzelemente wurden im Werk vorgefertigt und in nur 2,5 Wochen vor Ort montiert. Traditionelle Holzfenster und die Wärmepumpenheizung runden das ökologische Konzept ab. Das Gebäude erfüllt den Energiestandard KfW-Effizienzhaus 55. Die Holzbauweise ist in der Raumgestaltung des Foyers und der Garderoben erlebbar. Die äußere Gestaltung des Betriebskindergartens greift mit der Sheddachausbildung und einer profilierten Metallfassade Motive der Industriearchitektur auf.

09.02.2024|

P44

Revitalisierung einer brachliegenden Scheune zum Energie-Plus-Wohnhaus im denkmalgeschützten Bestand eines Altenburger Vierseithofes. Das auf der Südseite gelegene Scheunengebäude wurde zu einem vernetzten und autarken Wohnhaus im Passiv- und Sonnenhausstandard umgebaut. Der Umbau erfolgte in ökologischer und nachhaltiger Bauweise als Haus-in-Haus-Konzept, ohne bisher unbebaute Flächen in Anspruch zu nehmen. Nachwachsende und recyclingfähige Rohstoffe mit teils regionaler Herkunft und die vorhandene Bausubstanz wurden verwendet, wozu Holz, Holzwerkstoffe, Einblasdämmung, Schaumglas und Lehm zählen. Der hohe Dämmstandard in Kombination mit einer hohen Luftdichtheit des Innenhauses gewährleistet einen sehr geringen Restwärmebedarf. Ein vorgelagerter Balkon sichert in den Sommermonaten die Verschattung und ermöglicht gleichzeitig im Winter der tief stehenden Sonne bis weit in die Wohnräume zu scheinen. Die Hofansicht (Nordwand) und Teilflächen der Südseite wurde das Fachwerk in historischer Bauweise rekonstruiert. Die Energieversorgung ist zu 100% erneuerbar, bzgl. Wärme zu 100% autark. Solare Wärmegewinne werden in einem Langzeitspeicher (12.670 Liter Wasser) eingelagert. Eine geringfügige Nachheizung im Winter erfolgt mit Naturzug-Holzvergaser und Stückholz (ca. 2 RM) vom eigenen Grundstück. Die Stromversorgung besteht zu 2/3 aus Eigenstrom (inkl. Batteriespeicher) und zu 1/3 aus regionalem Ökostrom. Die Wasserversorgung erfolgt ebenfalls autark. Energieverbräuche werden kontinuierlich erfasst und in einer vernetzten Datenbank abgelegt und analysiert. Ein Glasfaseranschluss (FTTH) ermöglicht moderne Fernarbeitskonzepte mit Echtzeitanbindung. Lademöglichkeiten für E-Mobilität sind vorinstalliert.

09.02.2024|

P43

Sanierung des technischen Schaudenkmals „Gradierwerk Louise“ in zwei Bauabschnitten mit Fördermitteln der Städtebauförderung. Ein Gradierwerk (veraltet auch Leckwerk) ist eine Anlage zur Salzgewinnung. Sie besteht aus einem Holzgerüst, das mit Reisigbündeln (vorwiegend Schwarzdorn) verfüllt ist. Das Verb gradieren bedeutet „einen Stoff in einem Medium konzentrieren“. Das Gradierwerk Louise in Bad Sulza diente im Rahmen der Salzgewinnung zum anreichern (gradieren) und reinigen der Sole (aus dem Erdreich gefördertes Salzwasser). Heute werden das Gradierwerk und die Zerstäuberhalle zur Inhalation und Kurzwecken genutzt. Im Rahmen der Sanierung wurden in dem 140 m langen Gebäude über 1000 m³ Schwarzdornreisig ausgewechselt und über 100 m³ Bauholz mit Abbundlängen von ca. 6,5 km verarbeitet. Das Dachtragwerk und die Wände der Zerstäuberhalle wurde grundlegend saniert. Die Soleverteilung wurde neu konzipiert. Das Pumpenhaus wurde erneuert und ein neuer Soleauffangbehälter eingebaut. Holzbautechnisch lag die Herausforderung, bedingt durch die hohe Salz- und Feuchtebelastung in der Optimierung des konstruktiven Holzschutzes innerhalb des Gebäudes. Trockene und dauerhaft feuchte Bereiche des Holztragwerks sind unkritisch. Wechselfeuchte Bereiche, die am stärksten von Mazeration (Holzkorrosion) betroffen sind, galt es zu minimieren. Es wurde im wesentlichen Kiefer und Lärche verarbeitet, Verbindungsmittel sind aus Edelstahl A4.

09.02.2024|

P42

Auf dem Grundstück der katholischen Kirchengemeinde St.Elisabeth in Arnstadt wurde das bestehende Pfarrhaus saniert und ein Altbau aus den 60er Jahren durch einen modernen Neubau ersetzt. Der Neubau erhielt einen teilbaren Gemeindesaal, der Platz für ca. 100 Besucher bietet, sowie dazugehörige Nebenräume. Die Gebäudekanten besetzen die Platzkanten des innerstädtischen Grundstücks. Der trichterförmige Eingangsbereich fungiert als städtebauliche Aufwertung der Strassenabwicklung und erzeugt Aufmerksamkeit. Im Zuge der Baumaßnahme wird auch ein Nebengebäude zur Lagerung erstellt, welches das Grundstück an der Südseite zum öffentlichen Raum hin abgrenzt. Den Abschluss bildet die Sanierung und Umgestaltung des bisherigen Gemeindebereiches zum Pfarrbüro und Jugendbereich. Die Wärmeversorgung erfolgt über die zentrale Heizungsanlage des Pfarrhauses. Der Neubau erhält eine Fußbodenheizung und eine zentrale Lüftungsanlage.

09.02.2024|

P41

Das Neubauvorhaben „Green Campus“ wurde auf Initiative und nach einem Vorentwurf des Fachbereichs Architektur der FH Erfurt geplant und umgesetzt. Das Vorhaben rückt den Baustoff Holz in den Mittelpunkt der Betrachtung, um eine nachhaltige und damit umweltschonende Raumlösung zu entwickeln, die demontierbar und als mobiles Hörsaalgebäude gedacht ist. Hauptziel des Experimentalbaus ist die spätere Mobilität. Hierzu wurde das Bauwerk in gut zu transportierenden Modulen hergestellt und zusammengesetzt. Ergänzt wird das innovative Vorhaben durch eine regenerative Heiz- und Belüftungstechnik. Das ca. 16 x 15,5 m umfassende eingeschossige Gebäude ragt über die Bodenplatte hinaus und erscheint als schwebender Baukörper. Die Konstruktion wurde als Holztafelbau mit vorelementierten Boden-, Wand- und Dachelementen ausgeführt. Die verwendeten Holzleimbinder überspannen dabei den Hörsaal stützenfrei. Der „green campus“ stellt sich als ein monolithisch wirkender Baukörper dar. Die markanten Lächenholzprofiltafeln überziehen sowohl die Wand- als auch die Dachbereiche und schaffen dadurch ein einheitliches Erscheinungsbild. Die nach Osten und damit zum Bestand ausgerichtete Glasfassade markiert zum einen den Eingangsbereich und sorgt außerdem für die nötige Belichtung der Aufenthaltsräume des puristischen Hörsaalgebäudes.

09.02.2024|

P40

Zu den 2017 ausgewählten Modellprojekten des offenen Ideenaufrufs ›STADTLAND:Kirche‹ der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der IBA Thüringen gehört auch das Soziokulturelle Zentrum in der Martinskirche, eine von zwei Kirchen in Verantwortung der EKM in Apolda. Sie steht am Rand des Zentrums und hat Anschluss an die belebte Fußgängerzone der Stadt. In den letzten Jahrzehnten war hier das Kunstgutdepot der Landeskirche untergebracht. Mit dessen Wegzug entstand ein Freiraum für neue Ideen. 2020 suchten die Kirchgemeinde Apolda, die EKM und die IBA Thüringen nach Entwürfen für den Umbau des Bauwerks aus dem Jahr 1119. Das Leipziger Architekturbüro Atelier ST ist mit seinem Entwurf als Favorit hervorgegangen. Die architektonische Idee für die Umnutzung der Gebäudesubstanz zu einem Soziokulturzentrum besteht darin, ohne wesentliche Eingriffe in die tragende Bausubstanz ein Haus im Haus zu errichten. Das Langschiff bildet das Herzstück des neuen Soziokulturzentrums. Im ersten Schritt wird dieser Raum dafür auf seine bauliche Grundsubstanz zurückgebaut, die barocken, dreigeschossigen Holzemporen entfernt. Das somit „freigespülte“ Erdgeschoss – die neue Plaza – definiert sich mit über 220qm als großer, multifunktionaler Raum, umgeben von der einzigartigen Atmosphäre der historischen Substanz. Nur zwei ellipsenförmig, geschwungene Stützpfeiler aus Stahlbeton tragen einen darüber liegenden neuen Baukörper, der von einem hölzernen Rautengewebe umhüllt ist. Zukünftig werden auf zwei Ebenen mehrere Räume sowie die neue Plaza soziokulturelle Nutzungen ermöglichen. Die sakrale Nutzung findet weiterhin hauptsächlich im Chorraum statt.

09.02.2024|

P38

In unmittelbarer Nachbarschaft zu einer bestehenden Kita wurde eine neue Kinderkrippe für 48 Kleinkinder von 1-3 Jahren errichtet, bei der die gestalterische Grundidee war, jeder Kindergruppe ihr eigenes ›Haus‹ zu geben. Es wurde bewusst mit einer archetypischen Satteldachform gearbeitet, die bei Kindern positiv verknüpft ist. Alle Gruppenräume sind in Richtung Süden und Osten zum Garten ausgerichtet. Es gibt 4 Gruppenräume, wobei jeweils 2 miteinander gekoppelt sind. Hierbei gibt es jeweils ein Haus für die 1-2-jährigen Kinder mit großem ebenerdigen Schlafbereich und ein höheres Haus mit Schlafgalerie und größerem Gruppenraum für die 2-3jährigen Kinder. Pädagogisches Ziel ist ein ›rüberwachsen‹ der Kinder in die größere Gruppe. Die koppelbaren Gruppenräume grenzen jeweils an eine gemeinsame Terrasse. Ein zentral geschützter Freiraum bildet den Übergang zum Gartenbereich. Die abgetreppte Gebäudeform in Richtung Garten erzeugt kleinteilige Räume und gibt dadurch Sicherheit und Geborgenheit. Die tragende Konstruktion besteht aus Massivholzwandelementen (System MHM) in 25 cm und 20,5 cm Stärke. Die Dachelemente wurden aus 14 cm und 18 cm Brettstapelelementen hergestellt. Alle Oberflächen sind holzsichtig. Die Fassade besteht aus einer senkrechten deckend beschichteten Brettschalung. Bei den Innenoberflächen wurde besonderes Augenmerk auf die Verwendung natürlicher Materialien gelegt. Für die Fußböden wurden überwiegend Eichenparkett und Naturhaarteppiche verwendet.

09.02.2024|

P35

Die Stiftung Dr. Georg Haar bietet durch den Neubau in einem 3-Seiten Hof in Niedergrunstedt bis zu 8 jungen Müttern und ihren Kindern temporäre Wohnmöglichkeiten mit individueller Betreuung. Das städtebauliche Ziel war es, mit dem Ersatzneubau die Typologie und Größe der dörflichen Satteldachbebauung aufzunehmen und modern zu interpretieren. Die giebelständige Bebauung erlaubt, die räumliche Situation des ehemaligen 3 Seiten Hofes wieder herzustellen. Durch Versetzen der Baukörper im Grundriss und Schnitt ergeben sich Übergangsräume, die als Terrassen, Gärten und Hofflächen genutzt werden können. Die äußere Gestalt des Holzhauses mit eingefärbter sägerauen Lärchenschalung setzt sich konsequent in der Konstruktion fort. Die tragenden Bauteile Wände, Decken und Dachelemente wurden in Holzmassivbauweise in Elementdicken zwischen 8,5 und 15 cm errichtet. Die Oberfläche wurde im Inneren sichtbar gelassen und weiß lasiert. Der Einsatz des nachwachsenden Rohstoffes Holz setzt sich bei den Fenstern und dem Bodenbelag aus Industrieparkett in Eiche fort. Die massiven Tür und Fensterausschnitte wurden im Sinne einer Kaskadennutzung als Einbaumöbel für Tisch und Bettelemente weiterverwendet. Um die einfache Gebäudegeometrie nicht zu stören wurde das schwarze Ziegeldach mit den Fallrohren, Dachrinnen direkt hinter der Schalung integriert. Durch die außen liegende Dämmung von 20cm, die hinterlüftete Holzfassade, und den gut bemessenen Anteil von Fensterflächen nach Süden und Westen, die Ankopplung an eine Solarthermieanlage und an ein Nahwärmenetz wird der Niedrigenergiestandard erreicht.

09.02.2024|

P34

Die Idee einer anpassungsfähigen, auf aktuelle ökologische und sozioökonomische Veränderungen reagierenden Architektur war die Triebfeder dieses Entwurfs. Meist tritt der Stadtpionier in Gruppen auf. In diesem Fall siedelt er im Rudel auf einer Brachfläche in der Stadt. Sogenannte Unorte sucht er gerne auf um sie als erster zu besiedeln. Parkplätze oder Industriebrachen, Konversionsflächen oder Orte in der Peripherie. Er ist grundsätzlich nicht ortsgebunden, denkbar in urbanen Kontexten von Wachstums- und Post-Wachstumsstädten. Das Tragsystem basiert auf einer Zangenkonstruktion aus Lärchen-Brettschichtholz, die als ›Stadtregal‹ fungiert. In die Tragstruktur lassen sich vorgefertigte, wärmegedämmte, unterschiedlich kombinierbare Holz-Module ›einschieben‹. Die ›Fächer‹ lassen sich auch mit anderen Funktionen belegen, sodass eine Vielzahl an Nutzungen denkbar ist – in diesem Fall die im urbanen Raum so dringend benötigte Wohnnutzung bis hin zum Vertical Farming. Die Gebäudehülle besteht seitlich und im Dachbereich aus transluzenten, recyclingfähigen Polycarbonat-Doppelstegplatten. Ein guter Puffer bei zu starker Sonneneinstrahlung. Auch formalästhetisch verkörpert der Stadtpionier eine gewisse invasive Dynamik und Leichtigkeit, sowie Permeabilität von Architektur gegenüber der Natur, als Ausdruck einer notwendig gewordenen Neuorientierung angesichts globaler Klimaveränderungen.

09.02.2024|
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