P14

Der Neubau der ›baumhaus.kita‹ auf dem Campus der Bauhaus-Universität Weimar war für die Architekten keine alltägliche Bauaufgabe. Neben den Herausforderungen einer qualitätvollen Erweiterung der hochschulnahen Betreuungskapazitäten des Studierendenwerkes Thüringen um 60 Kita-Plätze und den nicht nur städtebaulich komplexen Anforderungen des Baufeldes stand die Planungsaufgabe von Anbeginn im Zeichen eines intensiven Austausches mit Kolleg:innen der Bauhaus-Universität. Auch wenn eines der großen Ziele dieser Zusammenarbeit, die Implementierung aktueller Forschungsergebnisse zum Thema Holz-Anhydrit-Verbundkonstruktionen, aufgrund technischer Schwierigkeiten letztlich nicht erreicht werden konnte, gelang dank der gemeinsamen Zieldefinition mit den Verantwortlichen der Bauhaus-Universität und der Offenheit der Auftraggeberschaft auch für unkonventionelle Lösungsansätze ein Beitrag zur aktuellen Diskussion um die Dekarbonisierung des Bauens und den sparsamen Einsatz nachwachsender Rohstoffe. Dank der bereits einige Jahre vorher geleisteten Investitionen des Freistaats Thüringen in ein Erdsondenfeld kann der Neubau der baumhaus.kita zudem mit lokal erzeugter Heizwärme versorgt werden. Während die äußere Materialiserung des Neubaus aus der bauaufsichtlichen Forderung nach einer nichtbrennbaren Fassade entwickelt wurde, sind alle Wände und Decken des dreigeschossigen Gebäudes sichtbar aus mehrlagigen Massivholzelementen gefügt, so dass im Inneren eine atmosphärische, den Bedürfnissen der kleinen und großen Nutzer Rechnung tragende Spiel- und Lernlandschaft entstehen konnte.

09.02.2024|

P13

Nach Durchführung eines Städtebauwettbewerbs im Alten Schlachthofgebiet im Norden von Weimar wurde im vorderen Teil des Gesamtgebietes ein Kindergarten eingeplant. Die Hufeland Träger Gesellschaft Weimar hat das Grundstück erworben, um dort einen Kindergarten in massiver Holzbauweise zu errichten. Massive Holzbauweise bedeutet, dass die tragenden Bauteile des Gebäudes zu 100 % aus Holz bestehen. Das gewählte System hat einen hohen Vorfertigungsgrad der Wand- und Deckenelemente und somit eine vergleichsweise geringe Bauzeit vor Ort. Der Ausbau des Gebäudes wurde vorwiegend mit ökologischen Baustoffen durchgeführt, um einen gesunden Ort für die Kinder zu schaffen. Der Baukörper besteht aus einer U-förmigen Anlage, die einen Hof nach Süden zur Gartenseite bildet. Die sich zum Platz orientierende Gebäudefassade ist im Mittelteil des Erdgeschosses geöffnet, um eine Verbindung zu dem neuen öffentlichen Quartiersplatz herzustellen. Im Erdgeschoss befinden sich der Krippenbereich sowie die Gemeinschaftsfunktionen wie Speise- und Begegnungsraum, Garderoben, Sanitäranlagen und die Verwaltung der Einrichtung. Im Obergeschoss sind für die Kindergartenkinder entsprechend des Konzepts der ›Offenen Arbeit in Funktionsräumen‹ (Hamburger Raumkonzept) der Bauraum, der Bewegungsraum, der Rollenspielraum sowie das Kinderatelier mit vorgelagerter Terrasse angeordnet. Die Erschließung erfolgt über zwei separate Zugänge für Kindergarten und Krippe. Im Inneren gruppieren sich die verschiedenen Funktionsbereiche um den zweigeschossigen Spielflur.

09.02.2024|

P12

In einer Welt, die mehr und mehr von ultraschneller Veränderung und Digitalisierung geprägt ist, wird die Beständigkeit und lokale Verbundenheit, gepaart mit dem Wunsch und der Notwendigkeit nach flexibler Arbeitsgestaltung zum wertvollsten Gut. Im Osten des Erfurter Hauptbahnhofs und nördlich des Güterbahnhofs, entsteht als bauliche Fortsetzung des von Delugan Meissl Associated Architects gestalteten Auftakts der neuen ICE-City Ost ein Gebäudecluster als vitales Herz des neuen Stadtteils, der zukunftsweisende Maßstäbe für das Neue Arbeiten setzt und sich in der architektonischen Ausformulierung aufgrund seiner hybriden Holz-Beton-Bauweise progressiv nachhaltig in die Tradition der thüringischen Holzbauhistorie und die modernen Architekturansprüche einfügt. Charaktereigenschaften der umliegenden Stadtlandschaft werden bewusst und konsequent einbezogen, so dass sich zur Blockrandbebauung der Nachbarschaft klare Gebäudelinien herausbilden und eine öffnende Geste nach Süden entsteht. Obwohl ein kompletter Erfurter Block überbaut wird, ist die untergeordnete Gebäudetektonik bewusst kleinteilig gehalten. Dadurch entsteht ein konsequenter Weiterbau der urbanen Geografie bei gleichzeitigem Herstellen menschlicher Maßstäbe. So webt sich der entstehende Baustein, ganz selbstverständlich, in den vorhandenen Stadtkörper ein und zeigt sich zugleich innenräumlich offen und kommunikativ sowie flexibel nutzbar für die Anforderungen, Organisationen und Gestaltungen kommender Arbeitswelten.

09.02.2024|

P08

Das Projekt Fuge no. 1, Bauern- und Atelierhaus Seitenbrück befindet sich in dem 93-Einwohner-Dorf Seitenbrück inmitten des Thüringer Saale-Holzland-Kreises. Auf einem knapp 1000 Quadratmeter großen Grundstück steht zu Beginn der Arbeit ein altes Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert. Grundlage des Entwurfkonzeptes bilden die Auseinandersetzung mit bestehenden Thüringer Dorftypologien, mit neuen Gestaltungsmöglichkeiten und einem nachhaltigen Umgang mit vorhandener Bausubstanz im ländlichen Raum. Den ortstypischen Baukörpern entsprechend lässt sich das Gebäude in massive und leichte Elemente unterteilen. Der Sockelbereich ist als Basis massiv ausgebildet; darüber befindet sich eine Holzkonstruktion. Alle Räume werden ihrer Funktion entsprechend massiv aus Stein oder in Leichtbauweise aus Holz gefertigt. Die daraus entstehenden, sich in ihrer Materialität unterscheidenden Volumina, greifen ineinander. Zwischen den Materialien entsteht eine Fuge. Das Bauwerk entwickelt diese bestehende Fuge weiter und formuliert sie im Detail bewusster aus. Es entstehen Schwellenräume zwischen Stein und Holz - die Fuge wird erlebbar gemacht.

09.02.2024|

P07

Der Neubau „Forstamt Jena-Holzland“ in Stadtroda beherbergt eines von 24 Thüringer Forstämtern sowie die Forstinspektion Ost. Das naturnahe Anwesen ist geprägt von einer alten Baumschule und weitläufigen Streuobstwiesen mit Bienenstöcken. Das Grundstück bietet somit ideale Voraussetzungen für das Forstamt, das auch in zahlreichen waldpädagogischen Angeboten Wissen über das Ökosystem Wald und die Bedeutung von nachhaltiger Forstwirtschaft vermittelt. Das Gebäude ist als konstruktiver Holzbau über einem kleinen Untergeschoss aus Beton errichtet. Das Tragskelett und die hybriden Holz-Beton-Verbunddecken bestehen aus heimischer BauBuche. Die hinterlüftete Fassade ist ein Holzrahmenbau mit Lärchenholzschalung. Die großzügigen Glasflächen des Innenhofs schaffen externe und interne Kommunikation und erlauben den Blick auf die Holztragkonstruktion sowie zahlreiche weitere Details aus heimischen Hölzern im Inneren. Durch seine klare funktionale Struktur mit dem in der Mitte liegenden Gruppenbüro der Revierförster befördert der Entwurf den Austausch unter den Mitarbeitern und den nur temporär im Büro arbeitenden Förstern. Holzwerkstoffe, weiße Putzflächen und die für das Projekt angefertigten Tischsysteme mit farbigen textilen Akustikelementen sorgen für eine heitere Arbeitsatmosphäre und unterstreichen die Integration von Konstruktion, Gebäudehülle, Innenausbau und Möblierung.

09.02.2024|

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Direkt neben dem Goethehaus in Weimar wurde das erste innerstädtische Hotel Deutschlands in Vollholzbauweise errichtet. Zusammen mit dem Bauherrn und einem Team von Fachplanern wurde ein konsequent ökologisches, nachhaltiges und innovatives Gebäude geplant, das sich besonders durch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe auszeichnet. Dabei war die harmonische Integration in eine enge Gasse der historischen Innenstadt Weimars eine gestalterische Herausforderung. Durch den Einsatz von 400 m³ Holz wurde ein nahezu CO₂ - neutrales Gebäude errichtet, das 11 Wohnungen in unterschiedlicher Größe sowie ein Restaurant und Café beherbergt. Alle Wände, ausgenommen dem Treppenhaus und Aufzugsschacht, bestehen aus 34 cm starken Vollholz-Tafeln mit kreuzweise vernagelten Nadelholz-Brettern (Massivholzmauer). Da durch die massiven Holztafeln eine zusätzliche Wärmedämmung nicht notwendig war, entstand ein einstoffiges Wandsystem mit geringerer Wärmebrückenproblematik. Für optimalen Schallschutz wurden Brettstapeldecken mit Akustik-Profil und Splittauflast eingesetzt. Auf allen Innenseiten der Außenwände befindet sich ein Lehmputz mit integrierter Flächenwandheizung, wodurch ein besonders angenehmes und gesundes Raumklima geschaffen wird. Dazu trägt ebenso der konsequente Einsatz von Vollholz im Innenausbau bei – die Fußböden bestehen aus geölten Lärchendielen, die Möbel sind aus Vollholz-Dreischichtplatten gefertigt. Zur Seifengasse zeigt sich das Familienhotel zu einem Teil mit einer Holzleistenfassade, zum anderen Teil mit einer inzwischen komplett begrünten Putzfassade mit Cortenstahl Fenstergewänden. Die intensiv begrünte Dachterrasse verbindet in luftiger Höhe Sitzmöglichkeiten, Kindersandspiel und Kräutergarten über Weimars Dächern.

09.02.2024|

P05

Transparenz und viel lichte Höhe: Neubau einer Produktionshalle in Probstzella mit Tragwerk aus Thüringer BauBuche. Der Neubau ersetzt einen älteren in der Nähe befindlichen Betriebsstandort im Thüringer Schiefergebirge. Es wurde ein Gebäude entwickelt, das sowohl beim Bau, als auch im Betrieb Ressourcen schont. Das Gebäude wurde als Passivhaus in Holzbauweise erstellt. Der Bau besteht aus einem flachen Kopfbau mit Büros, teilweise darüber befindlichen Neben- und Technikräumen und der direkt an die Büros angrenzenden Produktionshalle mit ca. 1.150 m² Fläche. Die Sockelzone ist durchgehend verglast und verbindet auf diese Weise unterschiedslos und demokratisch die Büros mit der unmittelbar daneben befindlichen Produktionshalle. Die Transparenz und die gleichwertige Ausführung der Fassaden in Büro und Halle soll die Idee der Teamarbeit stärken. Über dem Sockel liegt leicht verschoben ein flächig gestaltetes geschlossenes Volumen. Dessen Fassade aus Schieferplatten nimmt Bezug auf zum Materialeinsatz der traditionellen Bauweise im Schiefergebirge. Es enthält die Technik, Umkleiden, sowie den Luftraum der Halle und bildet ein Vordach über dem Ladehof. Das filigrane Tragwerk aus Fachwerkträgern und Stützen wie auch die Kranbahnträger für den Hallenkran wurden aus BauBuche gefertigt. Eine Besonderheit der Fachwerkträger sind die Knotenpunkte mit eingeschlitzten Blechen und selbstbohrenden Stabdübeln.

09.02.2024|

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Übernachtung unterm Sternenhimmel. Für Naturliebhaber, Outdoor-Active, Wanderer, Tierbeobachter, Sternengucker, Stresspatienten, Pilger, junge Familien … BUTZE! ist ein selbstinitiiertes Projekt mit dem Ziel, mittels minimaler Interventionen einen Beitrag zur nachhaltigen Aufwertung ländlicher Regionen zu leisten. An abgeschiedenen Orten finden Naturliebhaber individuell gestaltete BUTZEN!, die ihnen als Nachtlager, Schutz vor den Elementen oder als einzigartiger Rückzugsort dienen. Die beiden ersten Wandererherbergen konnten mitten im Biosphärenreservat Rhön errichtet werden. Die abstrakte Gebäudeform kontrastiert mit dem natürlichen Umfeld. Die Anleihen von Forst- und Jagdarchitektur lässt sie jedoch klar an diesem Ort beheimatet sein. Der kaleidoskopartige Baukörper formt einen sakral anmutenden Eingang mit zweiteiliger ›Pferdetür‹, welche durch Schmiedeeisenteile arretiert werden. Gegenüber prägt ein rahmenloses Panoramaglas das Innere mit dem Bild der Landschaft. Durch das vertikale Drehen des gleichen Grundkörpers entstanden zwei individuelle Gebäude. Auf reversiblen Schraubfundamenten ruht das mit Leinöl lasierte Holztraggerüst, welches den aus vorgefertigten Holzrahmenbau-Elementen zusammengefügten Baukörper trägt. Innen wie außen kleiden rohbelassene Fichte-Tanne-Dreischichtplatten die Oberflächen, welche über die Zeit die Spuren von Wind, Wetter und Nutzung offen zur Schau tragen.

09.02.2024|

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Auf Initiative des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft sowie in enger Kooperation mit IBA Thüringen und Stiftung Baukultur Thüringen soll ein besonderer Entwicklungsimpuls für den Tourismus im Freistaat ausgelöst werden. Ziel ist es am Beispiel der neuen Tourismusregion ›Thüringer Meer‹ entlang der Saale-Kaskade, neue Formen von Ferienhausarchitektur zu entwickeln, die die vorhandenen landschaftlichen Qualitäten mit moderner und experimentierfreudiger Architektur vereinen. Der Baustoff Holz, als erneuerbarer, regionaler Baustoff, steht dabei an erster Stelle. Unter der Schirmherrschaft des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow wurde Im Jahr 2018 ein offener, internationaler Ideenwettbewerb durchgeführt. 37 Teams aus Architekten und Landschaftsarchitekten entwickelten hervorragende Konzepte, Ideen und konkrete Pläne, die ein neues Bild für einen regionalen Tourismus aufzeigten. Gefragt waren Lösung im Maßstab XS, die auf kleiner Fläche und mit einfachen Mitteln und Standards eine authentische Urlaubsatmosphäre erzeugen. Eine renommierte Jury vergab drei Preise und mehrere Anerkennungen. Die wichtigsten Arbeiten und die Erfahrungen aus dem Prozess wurden in einem umfangreichen Katalog der Stiftung Baukultur Thüringen festgehalten, so dass Folgeprozesse unmittelbar auf diesen Erfahrungen aufbauen können. Die Ergebnisse des Wettbewerbs führten zu verschiedenen Folgeprozessen in Thüringen, u.a. befindet sich der alte Werftstandort in Saalburg als IBA Kandidat in der weiteren Entwicklung.

09.02.2024|
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