Projekt Beschreibung

Hallen-Neubau mit Dach komplett in Holz

Derzeit baut Pollmeier an seinem Firmensitz in Creuzburg eine neue Lagerhalle.
Mit einem Dachtragwerk aus Fachwerkbindern und Pfetten aus BauBuche sowie Fichte-LVL-Platten gelingt eine Überdachung ganz aus Holz.
Dabei sind Pfetten und Platten zu Dachelementen verbunden, die als aussteifende Scheibe wirken und dadurch keine Windverbände benötigen.

Details
Bauherr Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG
Bauort Creuzburg, DE
Architekt +Seelinger Architekten+Ingenieure, Darmstadt DE
Holzbauunternehmen Holzbau Amann GmbH, Weilheim-Bannholz DE
Statik sblumer ZT GmbH, Graz AT
Material 270 m³ BauBuche, 165 m³ Pollmeier Fichte LVL
Grundfläche 4.300 m²
Fotograf Alex SchmittDaniel Gerteiser

„Für das Dachtragwerk des neuen ‚Flächenlagers West‘ der Firma Pollmeier in Creuzburg hätte man als Standardlösung auch Fachwerkträger aus Stahl oder Spannbeton in Kombination mit einer Trapezblech-Eindeckung wählen können“, erklärt Architekt Martin Seelinger die häufig anzutreffende Materialwahl bei Hallen dieser Art und ergänzte: „Pollmeier wollte jedoch – wie bei seinen bisherigen Produktionshallen –Holz-Werkstoffe verwenden.“ Da in den letzten Jahren einige Hallenbauten renommierter Firmen und Architekten mit BauBuche-Fachwerkbindern ausgeführt wurden, lag die Wahl dieses Trägertyps auch bei der eigenen Halle nahe.

Als statisches System wählten die Ingenieure den „Balken auf zwei Stützen“ in Reihung. So bilden BauBuche-Fachwerkträger auf eingespannten Stahlbeton-Fertigteilstützen, im Abstand von 7,20 m, das „tragende Skelett“ der fast 33 m breiten, 131 m langen und rund 15 m hohen Lagerhalle. Die Träger mit einer Länge von knapp 32 m sind fertigungs- und transportbedingt zweiteilig ausgeführt. Ein Montagestoß verbindet die beiden Hälften über ein spezielles Verbindungssystem aus Schlitzblechen und Stabdübeln (BSB-Verbindung). Eine leichte Neigung der Obergurte von der Hallenmitte zur Traufe bildet das erforderliche 2%-Gefälle zur späteren Dachentwässerung aus. So sind die Fachwerkträger am Montagestoß knapp 3,10 m hoch und verjüngen sich auf 2,60 m an der Traufe.

Die präzise abgebundenen Einzelteile für die Binder wurden bei Pollmeier in Creuzburg als stabförmige Bauteile vorgefertigt und in Form von „Rohlingen“ als Bausatz zu Holzbau Amann geliefert. Dort erfolgte der exakte Zuschnitt per CNC-Maschine, inklusive der Schlitze für die Bleche und Stabdübel-Vorbohrungen der Knotenverbindungen.

Hauseigene Dachflächen-Elemente für homogene Dachuntersicht in Holz

Beim Dach selbst setzte Pollmeier ebenfalls ganz bewusst auf eine „Lösung in Holz“. Als Konstruktion bot sich eine Pi-Platten-Decke aus BauBuche-Pfetten und aufgeschraubten LVL-(Fichte-)Platten an (LVL – Laminated Veneer Lumber: Furnierschichtholz). Der Vorteil dieser Elemente besteht darin, dass sie zu einer Scheibe verbunden werden können und für die horizontale Aussteifung – anders als bei Trapezblech-Eindeckungen – keine zusätzlichen Windverbände benötigen.

Pi-Platten stellen auch im Hinblick auf Produktion und Montage eine optimale Lösung dar: Die Pfetten lassen sich einfach abbinden und mit den 39 mm dicken LVL-Platten schnell zu den gewünschten, tragfähigen Elementen verschrauben. Sie überspannen problemlos die 7,20 m zwischen den Fachwerkbindern. Ihre Breite von 1,82 m ergibt sich aus dem Standardmaß der LVL-Platte von Pollmeier. Das ermöglicht ein Pi-Platten-Element mit drei Pfetten-Balken im Abstand von etwa 90 cm, also zwei Rand- und einem Mittelbalken.

Um bei der Aneinanderreihung keine doppelten Balken am Längsstoß zu erhalten, haben die Planer je Element einen Randbalken weggelassen. Gleichzeitig wird die Platte nur über die halbe Breite des verbleibenden Randbalkens geführt und mit diesem verschraubt. In Reihung kann nun die auskragende Plattenseite auf die freie Balkenhälfte des anschließenden Elements aufgelegt und ebenfalls mit ihr verschraubt werden. Nach und nach entsteht so die Dacheindeckung als durchgängige Pi-Platte. Da die Stöße auf den Pfetten liegen, benötigt diese Konstruktion keine Koppelbretter am Plattenstoß, was Aufwand und Materialverbrauch erheblich reduziert.

Die Pfetten der Dachelemente erhielten an den Enden Zapfenausfräsungen, über die sie bei der Montage in die seitlich ausgefrästen Taschen der Fachwerk-Obergurte formschlüssig eingeschoben werden konnten. Das spart teure Verbindungsmittel, da eine zusätzliche Verschraubung dieser Anschlüsse nicht erforderlich ist. Nach dem „Einhängen“ der Elemente liegen die stirnseitigen Ränder der LVL-Platten auf der halben Breite der Fachwerkobergurte auf; auch diese werden miteinander verschraubt. Insgesamt gilt, dass für die Verschraubung von BauBuche-Bauteilen nur spezielle bauaufsichtlich zugelassene Schrauben zu verwenden sind.

Aussparungen in der Dachfläche möglich

Da das Dach nur in bestimmten Feldern eine aussteifende Scheibe benötigt, ist es problemlos möglich, die Platten der Elemente in den Bereichen, wo sie keine Aussteifungsfunktion haben, auszuschneiden. Hier lassen sich ohne weiteres Aussparungen für RWAs, Oberlichter und Ähnliches vorsehen. Sind die Öffnungen größer als die Abstände der Pfetten, müssen Letztere nicht über einen Wechsel unterbrochen werden, sondern können die Öffnung durchqueren. In diesem Fall genügt es, die durch den Pfettenquerschnitt fehlende Fläche durch eine entsprechend größere Aussparung in der Platte zu kompensieren, beispielsweise um die erforderliche Öffnungsgröße von RWAs zu gewährleisten.

Insgesamt wurden etwa 324 Dachelemente gefertigt. Sie sind im Hinblick auf ihre Tragfähigkeit äußerst materialsparend und damit sehr wirtschaftlich. Nach Fertigstellung des neuen Flächenlagers werden dort vor allem die LVL-Platten aus Buche und Fichte gelagert. Die Logistik erfolgt dann vollautomatisch über Vakuumheber, die über eine Kranbahn die Halle auf ganzer Länge abfahren können.